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Von zweien, die ihre berufliche Freiheit schätzen

Danny ist Pflegefachperson und Gutachter beim Medizinischen Dienst Bremen und Vater eines zehnjährigen Kindes. Sein Tag beginnt heute um 7:45 Uhr. An diesem Tag liegen sechs Hausbesuche zur Pflegegradbegutachtung vor ihm. Meist fährt er mit dem Auto zu den Versicherten, denn die meisten leben in Bremen Nord, gleichzeitig auch sein Wohnort. Am frühen Nachmittag wird er dann mittels Telefoninterview noch ein weiteres Gutachten beginnen.

Der kleine Dickkopf

Anna (Name geändert) arbeitet als ärztliche Gutachterin beim MD Bremen. Es ist 08:30 Uhr und sie befindet sich auf ihrer morgendlichen Radtour. Diese ist, wie an jedem Arbeitstag, der erste Meilenstein des Tages. Ihre knapp vierjährige Tochter steht mit ihr um 06:45 Uhr auf. Sie ziehen sich an, frühstücken gemeinsam, Anna schmiert Brote, schneidet Obst und Gemüse und schwingt sich samt Nachwuchs auf ihr Rad. Sie mag den Moment, wenn sie auf dem Fahrrad sitzt. Dann ist der süße Dickkopf im Fahrradanhänger gebändigt und sie weiß, dass kein spontaner Kita-Ausfall mehr droht. Zumindest erscheint um diese Uhrzeit eigentlich keine entsprechende Meldung mehr auf ihrem Mobiltelefon. So ist es auch heute. Sie verabschiedet in der Kita ihre Tochter und macht sich auf den Weg in die Dienststelle.

Zu Gast bei den Versicherten

Jede Begegnung in der Einzelfallbegutachtung bringt ein eigenes Einzelschicksal mit: Pflegerische Herausforderungen gilt es zu erkennen, Fragen von Angehörigen zu beantworten, und immer müssen die besonderen Lebensumstände des Gegenübers mitbedacht werden. Danny sitzt bei einer 86-jährigen „Bremen-Norderin“ im Wohnzimmer. Es ist gemütlich, die Frau ist freundlich und kann sich gut artikulieren. Manchmal denkt er in diesen Momenten daran, wie Begutachtungen früher abgelaufen sein müssen. Vermutlich mit ganz viel Papier in Form von Formularen und Handbüchern. Dann klappt der examinierte Altenpfleger seinen Rechner auf. Der gesamte Prozess, der nun in den kommenden gut 60 Minuten folgt, ist digitalisiert.

Meilenstein zwei

Anna betritt die Dienststelle. Sie geht in den ersten Stock. Dort befindet sich ihr Büro. An der Wand hängt ein kleines Bild ihrer Tochter, ein paar robuste Pflanzen stehen vor dem Schreibtisch. Sie holt ihren Laptop aus der Tasche. Über die Dockingstation verbinden sich Laptop und Monitore, die Zwei-Faktor-Authentifizierung läuft über das firmeneigene Mobiltelefon, alle Anwendungen sind zentral integriert. Häufig denkt sie darüber nach, dass sich hinter jedem Datensatz ein Mensch verbirgt. Sie öffnet ihren Auftragskorb in der Gutachtenerstellungssoftware und macht sich an ihr erstes Gutachten des Tages. Die Aufträge sind vordisponiert. Es handelt sich um eine Off-Label-Arzneimitteltherapie – eine besonders anspruchsvolle Begutachtung.

Danny macht Feierabend

Um 16 Uhr hat Danny das letzte Gutachten geschrieben. Er schafft durchschnittlich sechs Begutachtungen am Tag. Manchmal kommen Widersprüche, Nachuntersuchungen oder Kindergutachten hinzu – ergänzt durch Telefoninterviews. Letztere Begutachtungsform entwickelte sich aus den Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie und wurde seitdem als optionales Begutachtungsinstrument weiter verfeinert. Seine Touren sind sinnvoll geplant. Das Ziel: die zu fahrenden Kilometer von Begutachtung zu Begutachtung möglichst zu begrenzen. Nach seinem Feierabend kümmert sich Danny heute um seine 10-jährige Tochter. Bevor er später noch ins Fitnessstudio geht, steht Kinder-Jiu-Jitsu auf dem Programm.

Der Antrieb

Anna arbeitet im GKV-Bereich und hat den Klinikalltag gegen die Arbeit als Gutachterin eingetauscht. Für sie war das ein Gewinn: geregelte Arbeitszeiten, ein junges Team, moderne Ausstattung und die Möglichkeit, besser für ihre Tochter da sein zu können. Wenn die Betreuung einmal nicht gewährleistet ist, kann sie reagieren und ihre Gutachten im Homeoffice erstellen. Eine Gleitzeitregelung ermöglicht es ihr, die Arbeit auch in die späteren Abendstunden zu legen. Sie schätzt die Flexibilität und den strukturierten Rahmen, der ihr erlaubt, Berufliches und Privatleben zu verbinden. Auch wenn sie nicht mehr in der Primärversorgung tätig ist, erlebt sie ihre Arbeit weiterhin als „sinnstiftend“. Hinter diesem Wort steckt für Anna viel Substanz. Sie sieht jeden Tag, wie Empfehlungen entstehen, wie sie dokumentiert und an die Krankenkassen weitergegeben werden. Zugleich akzeptiert sie, dass die endgültige Entscheidung nicht bei ihr liegt, sondern bei der Krankenkasse. Im Unterschied zur Humanmedizin ist in der Sozialmedizin auch der Blick auf die Leistungsfinanzierung durch die Solidargemeinschaft gerichtet.

Beide sind der MD

Der Arbeitstag der beiden endet. Danny klappt seinen Rechner zu, steigt ins Auto und fährt nach Hause. Anna verlässt ihr Büro, holt ihre Tochter ab und weiß, dass der Abend ihr gehört. Was sie tagsüber entscheiden, wirkt weiter – in Zahlen, in Empfehlungen, in Prozessen. Beide schätzen die technischen Möglichkeiten, die ihre Arbeit flexibel machen. Mobile Arbeit zwischen Terminen, effiziente Softwarelösungen, höhenverstellbare Schreibtische im Büro – all das unterstützt nicht nur die Produktivität, sondern auch die Gesundheit. Die Technik schafft Räume, in denen Entscheidungen unabhängig, strukturiert und transparent vorbereitet werden können. Doch die Arbeit im Medizinischen Dienst Bremen geht über Technik hinaus. Die Mitarbeitendenversammlungen, der Austausch im Alltag, das Sommerfest im Hof der Falkenstraße: Sie geben der Organisation ein Gesicht und sorgen dafür, dass sich auch Anna und Danny ein paar Mal im Jahr über den Weg laufen. Der Blick in ihren Arbeitsalltag zeigt, dass berufliche Verantwortung und persönliche Freiräume kein Widerspruch sind. Und dass Entscheidungen dann nachhaltig wirken, wenn sie Substanz und Evidenz aufweisen.