In der Sozialmedizin angekommen
Dr. Demet Akca über ihren persönlichen Karriereweg und die Herausforderungen im MD
Sozialmedizin verbindet medizinische Expertise mit gesellschaftlicher Verantwortung, indem sie Maßnahmen nicht nur klinisch beurteilt, sondern daraufhin bewertet, ob sie für Versicherte ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind. Sie unterscheidet sich damit klar von der rein humanmedizinischen Sicht auf den Einzelfall. Aber was bedeutet es konkret, sozialmedizinisch zu begutachten und dabei Verantwortung für Millionen Versicherte zu tragen? Im Interview gibt die ärztliche Gutachterin Dr. Demet Akca Einblick in ihre Arbeit und erklärt, warum Sozialmedizin mehr ist als nur ein Fachbegriff. Es geht um Entscheidungen, die nicht nur im Einzelfall wirken, sondern langfristig – um Nutzen, Risiken und die Frage, wann ein „Nein“ im Sinne der Versicherten das nachhaltigste Handeln ist. Die Ärztin berichtet von ihrem Weg aus dem Klinikalltag in die Begutachtung und von der Herausforderung, medizinische Expertise mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden.
Sozialmedizin ist ein Begriff, den nicht alle kennen. Wie würden Sie ihn fachfremden Personen erklären, und was bedeutet er für Ihre tägliche Arbeit?
„Ja, es stimmt, und ich werde häufig im privaten oder beruflichen Kontext darauf angesprochen, was sich hinter dem Begriff der Sozialmedizin verbirgt. Die Bundesärztekammer definiert Sozialmedizin als Fachgebiet für den Zusammenhang von Medizin und Gesellschaft. In der Sozialmedizin werden die Wechselwirkungen zwischen Krankheit bzw. Gesundheit und Gesellschaft betrachtet. Bei der Begutachtung geht es meistens um die Funktionseinschränkungen der Versicherten, deren Auswirkungen auf ihre Teilhabe und den darauf resultierenden Bedarf an Leistungen. Im Zentrum steht die Frage, welche medizinischen Behandlungen bzw. Leistungen der Sozialversicherungen notwendig sind.
Wir betrachten also einerseits die Person in ihrem individuellen Umfeld – andererseits nehmen wir aber auch die Perspektive der Gesellschaft und des Gesundheitssystems ein und bringen die Vorgaben aus der Gesetzgebung sowie der sozialrechtlichen Normen in die Beurteilung mit ein. Für unsere tägliche Arbeit heißt das, dass eine sozialmedizinische Bewertung eine rein medizinische Sicht überdeckt.“
Welche Herausforderungen bringt diese Arbeit mit sich?
„Ja, es stimmt, und ich werde häufig im privaten oder beruflichen Kontext darauf angesprochen, was sich hinter dem Begriff der Sozialmedizin verbirgt. Die Bundesärztekammer definiert Sozialmedizin als Fachgebiet für den Zusammenhang von Medizin und Gesellschaft. In der Sozialmedizin werden die Wechselwirkungen zwischen Krankheit bzw. Gesundheit und Gesellschaft betrachtet. Bei der Begutachtung geht es meistens um die Funktionseinschränkungen der Versicherten, deren Auswirkungen auf ihre Teilhabe und den darauf resultierenden Bedarf an Leistungen. Im Zentrum steht die Frage, welche medizinischen Behandlungen bzw. Leistungen der Sozialversicherungen notwendig sind.
Wir betrachten also einerseits die Person in ihrem individuellen Umfeld – andererseits nehmen wir aber auch die Perspektive der Gesellschaft und des Gesundheitssystems ein und bringen die Vorgaben aus der Gesetzgebung sowie der sozialrechtlichen Normen in die Beurteilung mit ein. Für unsere tägliche Arbeit heißt das, dass eine sozialmedizinische Bewertung eine rein medizinische Sicht überdeckt.“
Wenn Sie auf Ihren Arbeitstag blicken: Was motiviert Sie am meisten?
„Wir setzen die Hoffnung darauf, auf Mikro- und Mesoebene der ambulanten Gesundheitsversorgung in Bremen nachhaltig etwas zu bewirken. Sei es, wenn wir einen Anspruch auf eine Leistung bestätigen oder weitere Maßnahmen empfehlen und sich dadurch die Gesundheits- und Lebenssituation von Versicherten verbessert. In unseren Begutachtungen erleben wir häufig Dankbarkeit dafür, dass wir uns umfassend mit einem Fall beschäftigen und bei Problemstellungen beraten. Und wenn wir Maßnahmen ohne nachgewiesenen Nutzen ablehnen, ersparen wir Versicherten unnötige Risiken und tragen zu einer verantwortungsvollen, nachhaltigen Versorgung bei. Als nachhaltig empfinde ich auch die Gespräche mit ärztlichen und therapeutischen Kolleginnen und Kollegen, wenn wir sozialmedizinisches Wissen vermitteln. Wir wecken damit Verständnis und das wirkt sich im besten Fall direkt auf deren tägliche Arbeit aus. Um ein Bild zu bemühen: Realistischerweise haben wir als kleines Boot nicht viel Einfluss auf den Kurs des großen Tankers „Deutsches Gesundheitssystem“. Aber im Fahrwasser können wir regional und im Sinne der Versicherten mitgestalten.“